Pegasus Nyx-101 Ersteindruck (Bilder mit 2m Brennweite am Ende)

Montierungen und Steuerungen
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Stefan_Lilge
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Pegasus Nyx-101 Ersteindruck (Bilder mit 2m Brennweite am Ende)

Beitrag von Stefan_Lilge »

Hallo,

aktuell sind ja Montierungen mit Spannungswellengetriebe (strain wave gear) der letzte Schrei. Die gibt es zwar schon länger, waren aber bisher sehr teuer. Jetzt scheinen diese Getriebe deutlich billiger verfügbar zu sein und auch Firmen bringen entsprechende Montierungen auf den Markt, die vorher keine Montierungen im Angebot hatten. Das scheint so ähnlich zu sein wie damals bei den Kameras: Als nur CCDs konkurrenzfähig waren gab es große Unterschiede zwischen den Herstellern (die jeweils ihre eigene Ausleseelektronik etc. entwickeln mussten), als CMOS-Chips gut genug wurden konnte dann praktisch jeder Kameras bauen, weil die ganze Elektronik mit auf dem Chip sitzt. So ähnlich scheint es jetzt auch bei den Montierungen zu sein. Zwo haben schon vor einigen Monaten ihre AM5 auf den Markt gebracht, die nach Nutzerberichten sehr gut zu funktionieren scheint. Ich wollte allerdings eine Montierung mit mehr Tragkraft, um auch sicher mein Lieblingsteleskop, ein 10“ Meade ACF darauf betreiben zu können. Die Firma Pegasus Astro hat mich dann gleich „gepackt“, weil sie als ersten Praxistest ihrer neuen Nyx-101 ein Bild mit einem C11 gezeigt hat. So habe ich das gerne, ich ärgere mich immer über Montierungstests mit irgendwelchen winzigen Teleskopen, die die Leistungsfähigkeit der Montierung nicht annähernd ausreizen.

Der einzige Grund, sich eine Montierung mit Spannungswellengetriebe zu kaufen ist das geringe Gewicht (bei der Nyx-101 6,5 kg). Die Montierung selber ist leichter als Montierungen mit Schneckengetriebe mit gleicher Traglast und sie braucht auch meist kein Gegengewicht. Der Rundlauffehler ist allerdings größer als bei einem guten Schneckengetriebe, ungeguidet sollte man diese Montierungen also nicht verwenden. Dafür haben sie so gut wie kein Getriebespiel, reagieren also sofort auf Nachführbefehle. Ich war daher gespannt, ob diese Eigenschaft ausreichen würde um den großen Rundlauffehler auszugleichen.
Nach einigen Verzögerungen (von September 2022 auf Januar 2023) kam die Nyx-101 bei mir an. Eine Beschreibung der Eigenschaften der Montierung spare ich mir, die kann man beim Hersteller
https://pegasusastro.com/products/nyx-1 ... ear-mount/
nachlesen. Ich zähle daher nur einige Beobachtungen aus Trockentests im Wohnzimmer und zwei klaren Nächten auf, am Ende gibt es auch noch ein paar Bilder mit 2m Brennweite:

-„Unity“ Android App: Die Montierung erzeugt einen Wifi-Hotspot, mit dem man sich über das Handy verbinden kann. Schade dass das nicht über Bluetooth geht, dann könnte man parallel das heimische WLAN auf dem Handy nutzen.
Mir ist aufgefallen, dass nach einem Alignment teilweise nicht auf den Befehl für ein „Goto“ oder ein „go to home position“ reagiert wird. Hier muss man die Montierung erst über die Tasten der virtuellen Handsteuerung ein Stück bewegen, dann ist die Montierung wieder bereit, ein „Goto“ zu machen.
Wenn man „deutsch“ als Sprache auf seinem Handy eingestellt hat, hat die Pegasus Android-App „Unity“ einige schwerwiegende Bugs, die aber verschwinden, wenn man das Handy auf „englisch“ umstellt. Wahrscheinlich liegt das an dem unterschiedlichen Zahlenformat, in Deutschland wird ja ein Komma statt des englischen Punktes verwendet. Das sollte also leicht zu beheben sein.
Wenn man versucht, die GPS-Position vom Handy auf die Montierung zu übertragen, beendet sich die App, ohne diese Aufgabe zu erledigen. Derzeit gibt es also ohne PC keine Möglichkeit, die Position der Montierung richtig einzutragen.
Wenn man über Unity versucht, ein Goto auf ein Objekt aus dem Objektkatalog zu machen, gibt es eine Fehlermeldung, dass falsche Parameter übergeben wurden. Ein Goto zu händisch eingetragenen RA/DEC-Koordinaten geht aber.
Goto über SkySafari 7 Pro läuft problemlos, man muss lediglich über „Unity“ sicherstellen, dass die Motorbremse nicht aktiv ist. Also die Montierung „entparken“ wenn sie geparkt ist und/oder das Tracking einschalten.
Problematisch in der Android-App ist auch das Alignment. Wenn es während des Alignment-Prozesses eine Fehlermeldung gibt (etwa weil der ausgewählte Stern außerhalb der eingestellten Limits liegt), läuft der Alignment-Prozess nicht weiter, weil kein Ersatzstern für den „unzulässigen“ Stern angeboten wird. Auch wenn man das Alignment abbricht und von vorne startet, werden keine Sterne mehr angeboten. Das ist insbesondere ärgerlich, wenn man ein Alignment mit mehreren Sternen (bis zu neun) macht und das mittendrin passiert. Man muss dann die App mit den Android-Bordmitteln aus dem Arbeitsspeicher entfernen und neu starten. Das gleiche Problem tritt auch auf, wenn man schon ein Alignment gemacht hat und ein zweites Alignment machen will, etwa weil man zunächst nur ein 1-Stern-Alignment gemacht hat und dieses aus irgendeinem Grund noch durch eines mit mehr Sternen ersetzen will.
Für Leute, die kein Alignment über die Montierung machen, sondern die Montierung durch ein Platesolve eichen, sollte das aber kein Problem sein. Und in der Unity PC-App scheint es auch zu funktionieren.

-PC-App: An den PC kann die Montierung direkt per USB-Kabel angeschlossen werden und wird dort nach Installation der Pegasus Unity App (mit der auch automatisch die ASCOM-Treiber installiert werden) auch problemlos erkannt. Die „Unity“-App für Windows läuft nach meinem bisherigen Eindruck gut, da habe ich nur einen größeren Bug bemerkt. Sie hat aber keinen Objektkatalog, Goto geht da also nur zu händisch eingegebenen Koordinaten. Dafür scheint die Ansteuerung über ASCOM (in meinem Fall über AstroArt 8) problemlos zu laufen. Man muss nur wieder dran denken, die Montierung in den „Tracking“ Modus zu versetzen, sonst bewegt sie sich bei „Goto“ nicht.
Man kann auch den PC über WLAN mit der Montierung verbinden. Einfach den PC mit dem WLAN-Hotspot der Montierung zu verbinden hat bei mir aber nicht ausgereicht, damit die PC-Unity-App die Montierung sieht. Nachdem ich die Montierung in mein heimisches WLAN eingebunden hatte und in den Windows-Einstellungen das Netzwerk auf „Privat“ gesetzt habe, hat der PC die Montierung erkannt, wenn ich mit dem WLAN verbunden war.
Praktisch ist, dass man gleichzeitig das Handy per WLAN und den PC per USB mit der Montierung verbinden kann. Auch der WLAN-Hotspot der Montierung und die Einbindung ins heimische WLAN funktionieren gleichzeitig. Man kann also z.B. auf dem Handy per SkySafari die Gotos machen und ebenfalls in SkySafari die Richtungstasten für manuelle Bewegungen nutzen während der PC ebenfalls mit der Montierung verbunden bleibt und die dortige Software über ASCOM Kommandos geben kann, ohne dass man etwas umstellen muss.
Bei der PC-Verbindung wird bevorzugt USB benutzt, wenn aber USB aus irgendeinem Grund nicht mehr verfügbar ist, wird nahtlos auf WLAN gewechselt.
Der oben angedeutete Bug der Unity PC-App besteht darin, dass sich die Bewegungsrichtung der Montierung über die virtuellen Richtungstasten gelegentlich zufällig umkehrt. Es kann also sein, dass die gleiche virtuelle Richtungstaste die Montierung bei einem Tastendruck auf einmal in die entgegengesetzte Richtung bewegt. Oder dass ich erst auf „Nord“ klicke und danach auf „Süd“ und die Montierung sich beide Male in die gleiche Richtung bewegt. Ähnliche Probleme mit der virtuellen Handsteuerung gibt es auch in der Unity Android-App. Bei der händischen Bewegung über SkySafari 7 Pro sind mir solche Fehler bisher nicht aufgefallen, damit habe ich aber auch weniger Zeit zugebracht als mit den beiden Unity-Varianten.

-Motorbremse: Eine Bremse für den Fall eines Stromausfalles gibt es offiziell nur in RA, in der Praxis bewegt sich aber auch in DEC nichts, wenn man den Stromstecker zieht.

-Polausrichtung: Sehr enttäuschend fand ich das angepriesene Feature, dass es in der Montierung Sensoren geben soll, die eine ungefähre Polausrichtung erlauben. Das war ein Hauptgrund, warum ich mich für dieses Modell entschieden habe und nicht noch zu einer Ioptron HAE43 umgeschwenkt bin. Auf meiner Dachterrasse habe ich nämlich nur mit einem sehr hohen Stativ Sicht auf Polaris, kann also nicht ohne weiteres mit einem Pole Master oder einer sonstigen Methode einnorden, die Sicht auf die Polregion erfordert.
Die Nyx-101 hat leider nur Neigungssensoren, mit denen man ungefähr die Polhöhe einstellen und kontrollieren kann, ob das Stativ schief steht. Für die Einstellung in Azimut wird aber keinerlei Hilfe angeboten. Insofern wird hier ein versprochenes Feature nicht geliefert.
Ich würde mir wünschen, dass Pegasus in die Montierung eine elektronische Einnordungshilfe einbaut, etwas so wie in Skywatcher-Montierungen, wo man nach einem Alignment an zwei Sternen einen Stern anfahren kann, der dann von der Steuerung aus der Bildmitte gefahren wird und mit den Einstellungen für Polhöhe und Azimut an der Montierung wieder in die Bildmitte gebracht werden muss. Das Drift Alignment in PHD2 hat mich in den beiden klaren Nächten viel zu viel Zeit gekostet.

-Die Stromversorgung ist identisch mit der Skywatcher AZ-EQ6. Es wird zwar ein Netzteil mitgeliefert, aber wenn man die Montierung z.B. über den Zigarettenanzünder eines Autos oder einer Power Station betreiben möchte, geht das auch über das Stromkabel der AZ-EQ6.

-Nach einem Firmware-Update weiß die Montierung nach einem Stromausfall und dem Einschalten wieder, wie ihre Achsen orientiert sind. Vor dem Update ging die Position in diesem Fall verloren. Sie hat aber keinen Sensor für die Home-Position, um diese zu setzen muss man von Hand die Montierung auf die Home Position fahren und dort bestätigen. Zumindest sind an der Montierung gute Markierungen für die „Nullposition“ angebracht, so dass man diese nicht erraten muss. Wenn man allerdings die Montierung irgendwo weit weg remote betreibt, könnte das ein Nachteil sein. Zumal man die Montierung ja auch nicht ohne Handy- oder PC-Verbindung bewegen kann, die Bitte „geh mal schnell zur Montierung, löse die Kupplungen und richte sie in die Home-Position aus“ funktioniert also nicht.
-Stativ: Ich habe zwar ein Pegasus-Carbonstativ bestellt, für schwerere Lasten verwende ich aber das Stativ meiner Skywatcher AZ-EQ-Montierung. Dafür bietet Pegasus einen Adapter an. Dabei hat man allerdings nicht bedacht, dass die M12-Schraube des Stativs, die von unten die Montierung sichert, durch den Adapter nicht lang genug ist. Mit einer ebenfalls angebotenen Stativerhöhung ginge die Verbindung, die habe ich aber bisher auch noch nicht (ist bestellt). Vorläufig behelfe ich mir daher mit einer M12-Schraube mit Handgriff, die ich von einem EQ6-Adapter für meinen Ioptron Tripier übrig habe. Die hat die richtige Länge, allerdings habe ich nun keine Spreiz-Versteifung zwischen den Stativbeinen mehr. Auf den EQ6-Adapter des Tripier passt die Montierung leider auch nicht, weil dessen zentrale Vertiefung zu klein ist, um den Pegasus-Adapter aufzunehmen. Das ist schade, denn eigentlich wollte ich die Montierung auf dem Tripier betreiben. Der ist auch hoch genug um auf meiner Dachterrasse mit einem Polsucher Sicht auf Polaris zu haben.

-Gegengewichte: Nun ist der Betrieb ohne Gegengewichte zwar das Hauptargument für solch eine Montierung, man kann aber trotzdem eine Gegengewichtsstange anbringen. Mit Gegengewichten kann man verhindern, dass das Stativ bei zu hoher einseitiger Belastung umkippt. Mit meinem Explore Scientific 127/952 APO brauche ich kein Gegengewicht, da steht das EQ6-Stativ sicher und es besteht in keiner Position die Gefahr des Umkippens. Mit meinem 10“ Meade ACF mit Kamera und Metall-Taukappe entsteht allerdings ein starkes Ungleichgewicht, durch das das Stativ zwar nicht von selber umfällt, aber doch auf einer Seite sehr „leicht“ wird, so dass bei einem versehentlichen Stoß ein Unglück geschehen könnte. Daher bringe ich für dieses Teleskop eine Gegengewichtsstange mit einem 5kg Gegengewicht an. Die Stange ist eigentlich für die ZWO AM5 gedacht. Die mit der AZ-EQ6 mitgelieferte Verlängerung für die Gegengewichtsstange geht auch, ist allerdings sehr kurz. Mit dem 5kg Gegengewicht (ich nehme eines von meiner H-EQ5 Montierung) steht das Stativ auch mit dem 10“ Spiegel sehr stabil. Im Vergleich zu einer herkömmlichen Montierung spare ich auch hier noch knapp 20 kg Gewicht ein, knapp 10 kg bei der Montierung selber und weitere 10 kg bei den Gegengewichten.

-Lautstärke: Etwas enttäuscht war ich von der Lautstärke der Montierung beim „Goto“ (das normale Tracking ist unhörbar). Das ist für mich ein entscheidender Punkt, weil meine Dachterrasse nicht weit von diversen Fenstern anderer Wohnungen entfernt ist, die Nachbarn also durch zu laute „Gotos“ gestört werden können. Die Deklinationsachse ist angenehm leise, aber die Rektaszensionsachse klingt wie bei einer alten EQ6 (einschließlich „Schnarren“ bei der Beschleunigungs- und Abbremsphase). Das ist nicht so laut dass die Montierung für mich nicht nutzbar wäre, aber meine Ioptron CEM60 ist klar leiser. Dafür sind Montierungen mit Servomotor meistens noch mal wesentlich lauter.
Zum Glück gibt es hier in Berlin immer Hintergrundlärm, dann muss ich also beim Goto immer die Ampelphase abwarten, dann übertönen die Autos (die „zum Glück“ auch mitten in der Nacht unterwegs sind) die Montierung.
Ich habe auch den Eindruck, dass das „Schnarren“ jetzt nach einigen Wohnzimmer-Gotos weniger deutlich hörbar ist. Entweder hat sich die Montierung eingelaufen oder ich mich daran gewöhnt.
Man kann die maximale Geschwindigkeit der Montierung auch statt auf 5 Grad/Sekunde auf 3 oder 2,3 Grad begrenzen. Insbesondere die niedrigste Geschwindigkeit ist hörbar leiser als die schnellste. Dafür hält die Geräuschentwicklung dann aber auch mehr als doppelt so lange an.
Die Montierung gibt auch zur Bestätigung nach jedem Goto ein Piepen von sich, das aber im Vergleich zum Geräusch der Motoren bzw. Getriebe eher unauffällig ist. Trotzdem würde ich mir wünschen, dass man das ausstellen kann.

-Meridian Flip/Limits: Ein großer Pluspunkt ist die Flexibilität der Montierung beim Umgang mit dem Meridiandurchgang. Ich mache keinen automatischen Meridian-Flip, weil ich nah am Geländer meiner kleinenDachterrasse aufbauen muss und schwer vorhersehbar ist, ob das Teleskop beim Flip gegen das Geländer stoßen wird. Wenn eine Montierung direkt beim Meridiandurchgang stehen bleibt muss ich also zu diesem Zeitpunkt wach sein und dann von Hand umschwenken. Bei der Nyx-101 kann man einstellen, ob sie beim Meridian stehen bleiben soll oder sowohl davor als auch danach zwei Stunden Spielraum bestehen soll. Die Montierung kann also bis zwei Stunden nach Meridiandurchgang weiterlaufen, was in einigen Fällen einen Meridian-Flip unnötig macht. Und wenn ich will kann ich den Meridian-Flip auch vorziehen, also schon zwei Stunden vor Meridiandurchgang umschwenken und dann ins Bett gehen. Hier würde ich mir eine Erweiterung des Zeitraumes auf drei Stunden wünschen, weil erst nach dieser Zeit bei meinen meisten Teleskopen die Gefahr besteht, dass sie an Stativbeine stoßen. Mit meinen AZ-EQ6 und G11-Montierungen habe ich regelmäßig drei Stunden über den Meridian hinausbelichtet ohne umzuschwenken.

-Software Installation auf PC: Positiv hervorzuheben ist die Software-Installation auf dem PC. Man muss nur ein Programm („Unity“) installieren, alle Treiber einschließlich ASCOM werden dadurch ebenfalls installiert. Man muss also nicht mehrere Programme herunterladen und installieren.

-Nachführgenauigkeit: Zum Abschluss nun der wichtigste Punkt, der Nachführgenauigkeit. Ohne Autoguider hat eine strain wave Montierung wie gesagt keinen Sinn, es geht also nur um die Frage, ob der Autoguider es schafft, die Sterne rund zu halten. Diesen Test habe ich mit meinem 10“ Meade ACF mit Reducer auf f/8 gemacht, also bei 2 Metern Brennweite. Kamera war die ASI2600MC ungebinnt, Abbildungsmaßstab also 0,37“/Pixel. Nachgeführt habe ich mit einer ASI174mini am Off-Axis-Guider, Software war AstroArt 8. Bei diesem Abbildungsmaßstab werden die Sterne selten richtig scharf und auch mit meinen bisherigen Montierungen (darunter eine G11 mit Ovision-Schnecke und eine sehr gute CEM60) waren die Sterne nicht immer perfekt rund. Die Bilder mit der Nyx waren ähnlich gut, wenn auch nicht perfekt. Wenn man die Bilder auf halbe Größe verkleinert (was immer noch einen Abbildungsmaßstab von 0,74“/Pixel ergibt) sehen die Sterne nach meinem Geschmack gut und scharf aus. Ich bin also mit der Nachführgenauigkeit sehr zufrieden. Die ist nicht besser als bei G11 oder CEM60, kann aber mit diesen deutlich schwereren Montierungen mithalten. Und meine Skywatcher-Montierungen (H-EQ5 und AZ-EQ6) liefern mit einer kleinpixeligen Kamera nur bis ca. 1m Brennweite gute runde Sterne (und sind auch beide schwerer).

Ich zeige hier drei Bilder, zuerst M42 (davon hatte ich nur eine Belichtung gemacht), dann drei zufällig geöffnete Bilder aus einer Serie auf M78 und drei ebenfalls zufällig ausgewählte Bilder aus einer Serie auf NGC 4157. Alle Fotos sind fünf Minuten belichtet, zu sehen ist jeweils ein Ausschnitt in 100% Größe (also 0,37“/Pixel). Die Bilder sind debayert und logarithmisch gestreckt, sonst keine Bildbearbeitung.
Bei M42 sind die Sterne nicht perfekt rund, auf halbe Größe verkleinert fällt das aber nicht groß auf. Bei M78 sehen eigentlich alle drei Aufnahmen sehr gut aus, dass der eine Stern länglich ist liegt an einem zweiten eng daneben stehenden Stern. Bei NGC 4157 haben zwei der drei zufällig ausgewählten Bilder kleine „Ecken“ an hellen Sternen, die meisten Einzelbilder der über 30 Fotos langen Serie sahen besser aus. Auch diese schlechteren Bilder sind aber voll verwertbar.







Zum Schluss noch ein Foto der Ausrüstung:
Viele Grüße
Stefan
Frank
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Re: Pegasus Nyx-101 Ersteindruck (Bilder mit 2m Brennweite am Ende)

Beitrag von Frank »

Hallo Stefan

Die Sterne sind aber oben rot und unten blau, so die jetzt Rind sind müssten es nach Farblayer ausrichten Eier sein😁
Bayermatrix und Breitband eher hinderlich beim Test

Dolle Sache, was Mobieles

Gruß Frank
tonwert
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Re: Pegasus Nyx-101 Ersteindruck (Bilder mit 2m Brennweite am Ende)

Beitrag von tonwert »

Hallo Stefan,

Glückwunsch zur neuen Montierung. Hört sich gut an was Du über die Pegasus schreibst. Insgesamt scheinen diese Spannungswellengetriebe ein gutes Konzept für Montierungen zu sein. Ich habe meine Rainbowastro 135 jetzt seit gut 2,5 Jahren und bin nach wie vor sehr zufrieden.

Was Du über die Nachführgenauigkeit der Pegaus berichtest, kann ich für meine RST-135 voll unterschrieben. Ohne Autoguider wird es schwierig. Ich hatte lange Zeit den MGEN-2, die Ergebnisse waren sehr gut. Heute nutze ich PHD2 mit einem Mini Guide Scope, funktioniert auch klaglos. Das Nachführintervall sollte nicht länger als 1 sek sein und die Aggressivität bei min 90 % und die Hysterese maximal bei 3. So komme ich phasenweise auf 0,7 Bogen sek und muss aufpassen, dass ich nicht dem Seeing nachjage. 0,5 sek Intervalle sind zu kurz. Ich hatte eine zeitlang überlegt, ob ich auf die RST-135 E wechsle, die einen Encoder in RA hat und ungeguided 2,5 Bogen sek +- schaffen soll. Aber dafür muss man wahrscheinlich super top eingenordet haben. Da schreckt mich der Preis etwas ab, zumal es ohne Guiding auch mit dieser Montierung nicht vollends gehen wird. Also bleibe ich bei meiner. Einnorden mach ich nach wie vor mit dem Polemaster, denn eine Routine zum Einnorden ist in meiner nicht vorgesehen. Da aber diese Montierungen für den mobilen Einsatz konzipiert sind, wird eine freie Sicht auf Polaris einfach vorausgesetzt, Die Homefunktion funktioniert mit den eingebauten Sensoren aus jeder Position einwandfrei, selbst wenn man die Montierung aus der Homeposition wieder in die Homeposition schickt. Das Gewicht in Verbindung mit der Tragfähigkeit und die Mobilität sind einfach genial. Auf der Säule im Garten läuft das ganze Wifi remote mit einen Eagle 4 und einem FC-100DZ und QHY. Auf dem Eagle läuft SGP, Meridianflip und Platesolving laufen problemlos. Für den mobilen Einsatz im Urlaub habe ich mir ein Carbon Stativ besorgt, mit einem FS60 steht alles sehr stabil ohne Gegengewicht. Den FC-100 habe ich mobil noch nicht probiert, aber da würde ich aus Sicherheitsgründen auch ein Gegengewicht verwenden.

SG Rainer
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Stefan_Lilge
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Re: Pegasus Nyx-101 Ersteindruck (Bilder mit 2m Brennweite am Ende)

Beitrag von Stefan_Lilge »

Hallo Frank und Rainer,

@Frank: Ich bin mir sicher, dass die Sterne nach Ausrichten der Farblayer nicht eirig werden. Wenn dann sehen sie danach besser aus.
Und Breitband ist für einen Nachführtest unverzichtbar, bei Schmalband werden die Sterne so abgeschwächt, dass man irgendwelche kurzen "Exkursionen" der Montierung nicht im Bild sieht.
Jetzt würde ich mir nur noch ein 10" Teleskop wünschen, das vergleichbar transportabel wie die Montierung ist. Dann würde ich vielleicht sogar mal wieder mit auf den Acker kommen ;-)

@Rainer: Deinen Kauf der RST-135 habe ich damals gespannt verfolgt, weil "klein und leicht" für mich zunehmend attraktiv wird. Bin zwar noch jung genug um ein paar Jahre auch normale Ausrüstung zu schleppen, aber die Faulheit nimmt immer mehr zu.
Ich werde wohl nicht darum herumkommen, mir doch irgendwie eine Adaption der Montierung auf meinen Ioptron Tripier fertigen zu lassen. Dann wäre sie wieder hoch genug um den Polarstern zu sehen und ich könnte wieder mit vertretbarem Aufwand einnorden. So wie es aktuell ist kostet es viel zu viel Zeit und Nerven.
Viele Grüße
Stefan
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Re: Pegasus Nyx-101 Ersteindruck (Bilder mit 2m Brennweite am Ende)

Beitrag von Stefan_Lilge »

Hallo allesamt,

zur Ergänzung noch ein Guidelog. Mit Guiding-Logs ist es insofern schwierig, als ich nicht PHD2 verwende sondern AstroArt 8. Ist also die Frage, ob mit meinen Guidelogs jemand etwas anfangen kann. Ich poste trotzdem mal ein Handyfoto von der AstroArt Guiding-Statistik (während der Aufnahme von M78 abfotografiert) und das zugehörige Guiding-Log.

Dabei ist zu beachten, dass die Werte in Pixeln sind und nicht in Bogensekunden, Details siehe "Kopf" im Guiding Log. Abbildungsmaßstab des Autoguiders waren 1,15"/Pixel, die Werte muss man also jeweils mit 1,15 multiplizieren um die Bogensekunden zu erhalten.

Nach einer guten Stunde Belichten lag der durchschnittliche Fehler also in RA bei 0,54" und in DEC bei 0,35". Die offensichtliche Drift in DEC liegt an meiner zu geringen Geduld bei dem Drift-Alignment und dadurch schlechter Polausrichtung.

Foto: http://ccd-astronomy.de/temp21/Nyx_guid ... 224453.jpg

Guidelog (muss man vermutlich mit rechter Maustaste draufklicken und "speichern unter" wählen): http://ccd-astronomy.de/temp21/Nyx_guiding.txt
Viele Grüße
Stefan
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