Canon EOS RP Ersteindruck

Astrokameras aller Art, Scanner und weiteres Zubehör
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Stefan_Lilge
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Canon EOS RP Ersteindruck

Beitrag von Stefan_Lilge » 26.12.2019, 00:35

Hallo,

ich habe mir kürzlich eine Canon EOS RP gekauft, also eine spiegellose Vollformatkamera. Die habe ich bei Markus Meel (http://www.astro-modifikationen.de) astromodifizieren lassen. Nun könnte man fragen, wieso ich dazu nicht eine gebrauchte EOS 6D gekauft habe. Von der Bildqualität her ist das vermutlich kein großer Unterschied, immerhin fehlt der EOS RP aber der Spiegel, so dass es keinen Spiegelkasten gibt, der zu zusätzlicher Vignettierung führt. Außerdem interessierte mich die RP auch für "normale" Tageslichtfotografie. Eine 6D (hatte ich früher auch mal ohne Astromod) mit ihrem antiquierten Autofokussystem käme für mich für "normale" Fotos nicht mehr in Betracht. Zum Glück konnte Markus beim Umbau den Filter unbeschädigt ausbauen und mit dem 3D-Drucker eine Halterung dafür drucken, so dass ich nun einen OWB-Filter für die Kamera habe. Ohne hatte sie nach der Modifikation für "normale" Fotos doch einen sichtbaren Rotstich.

Die Kamera lässt sich z.B. mit APT vom PC aus steuern (praktisch wie eine "richtige" Astrokamera), was ein wesentlicher Vorteil gegenüber meinen Fuji-Kameras ist. Die von mir bevorzugte Software AstroArt kann "offiziell" mit der EOS RP nicht umgehen, die Autoren haben mir aber auf Anfrage schnell einen Treiber gestrickt, mit dem ich die Kamera nun auch per AstroArt steuern kann, was für mich eine wesentliche Voraussetzung für eine "ernsthafte" Verwendung für Astrofotografie ist. Ich mache nichts, was nicht mit AstroArt geht.

5-minütige Darks im Kühlschrank (also bei ca. 5-7 Grad) sehen sehr schön sauber aus, bei Raumtemperatur (ca. 22 Grad) sind sie stärker verrauscht, aber immer noch nicht schlimm. Die Standardabweichung der Darks (also das mittlere Rauschen) liegt im Wohnzimmer bei 29,5 ADU, im Kühlschrank bei 21,9. Hier ein Vergleichsbild, links ungekühlt, rechts im Kühlschrank, jeweils 5 Minuten bei ISO 800.
http://ccd-astronomy.de/temp15/compDark ... m-Kühl.jpg

Zu "richtig ernsthaften" Fotos hat es bisher noch nicht gereicht, für einen (positiven) Ersteindruck schon.
Alle Bilder sind auf meiner Berliner Dachterrasse entstanden.

Erstmal ein Blick in den Orion mit der unmodifizierten Kamera am Samyang 135mm f/2 Objektiv bei f/2.8, 29x1 Minute bei ISO200. Das Bild ist wegen der Dateigröße auf den interessanten Teil gecroppt, das Feld war wesentlich größer. Man sieht gut die schlechte Empfindlichkeit für Halpha:
http://ccd-astronomy.de/temp15/M42Orion29x60scrop.jpg

Die erhöhte Halpha-Empfindlichkeit nach Modifikation zeigt sich schon bei einem handgehaltenen Schnappschuss mit 1/10tel Sekunde mit dem Canon RF 35mm f/1.8 Objektiv, wo der Orionnebel gleich durch seine rote Farbe auffällt (JPG direkt aus der Kamera):
http://ccd-astronomy.de/temp15/IMG_9587_Orion.JPG

Hier ein Vergleich an M42, jeweils 60 Sekunden am TS 60/360er ED.
Links mit der modifizierten Kamera und STC Duo Narrowbandfilter bei ISO 800, in der Mitte unmodifiziert mit STC Duo Narrowbandfilter bei ISO 800 und rechts unmodifiziert und ungefiltert bei ISO 200. Man sieht wieder, dass die Empfindlichkeit für Halpha durch den Umbau deutlich gestiegen ist. Das Bild mit der unmodifizierten Kamera muss auch stärker gestreckt werden, um den Nebel deutlich zu zeigen. Das bringt zusätzliches Rauschen ins Bild. Natürlich geht bei den Bildern mit dem STC Duo Filter auch Breitband-Strahlung (z.B. von Staub) verloren.
http://ccd-astronomy.de/temp15/compM42- ... d-UVIR.jpg

Noch ein Vergleich am Rosettennebel, beide Bilder mit dem STC Duo Narrowband Filter am 60/360er ED. Links unmodifiziert 26x1 Minute bei ISO6400, rechts modifziert 5x5 Minuten bei ISO 800. Der Vergleich hinkt natürlich wegen der unterschiedlich langen Einzelbelichtungen, die Gesamtbelichtungszeit ist aber etwa gleich und durch die höhere ISO-Zahl haben die kürzeren Belichtungen weniger Ausleserauschen, was einen kleinen Ausgleich schafft.
http://ccd-astronomy.de/temp15/comp2244-mod-unmod.jpg

Ich habe dann noch versucht, ein "richtiges" Bild des Rosettennebels NGC 2244 mit der modifizierten Kamera zu schießen, wurde aber von Nebel daran gehindert.
Erstmal ein Vergleich zwischen 5 Minuten bei ISO 200 und ISO 800, jeweils Schmalband (STC Duo Filter). Das Bild mit ISO 200 hat deutlich mehr (Auslese-)Rauschen und zeigt auch das gefürchtete Canon-Banding. Das Bild mit ISO 800 sieht deutlich besser aus. Bei Breitband müsste ich in Berlin natürlich doch ISO 200 nehmen, da spielt das Ausleserauschen dann keine Rolle mehr.
http://ccd-astronomy.de/temp15/comp2244 ... ISO800.jpg

Als mehr oder weniger krönenden Abschluss gibt es dann noch die 9x5 Minuten Rosettennebel, die mir bei aufziehendem Nebel blieben. Jeweils ISO 800 und STC Duo Narrowbandfilter am 60/360er ED. Das Bild zeigt das ganze Feld in halber Größe (2x2 Software-Binning). Ich habe Flats und Flatdarks verarbeitet, die Flatdarks habe ich auch von den 5-Minuten-Belichtungen abgezogen (für die ich keine passenden Darks hatte). Ich habe nach jedem Bild gedithert. Außer der Verkleinerung und einem Weißabgleich habe ich an der Aufnahme nichts gemacht, also keine Rauschfilter oder Schärfung o.ä.
http://ccd-astronomy.de/temp15/2244_9x5-Bin2.jpg

Und als Zugabe noch ein Bild, das die Bedingungen direkt nach dem Ende der Aufnahmeserie zeigt:
http://ccd-astronomy.de/temp15/IMG_9662klein.jpg
Viele Grüße
Stefan

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Re: Canon EOS RP Ersteindruck

Beitrag von Josef » 26.12.2019, 10:26

Hallo Stefan,

feiner Bericht!
Bin mal gespannt auf die erste richtige Aufnahmenacht von dem Teil.
Mit freundlichen Grüßen

Josef

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Re: Canon EOS RP Ersteindruck

Beitrag von Stefan_Lilge » 26.12.2019, 22:08

Hallo Josef,

ich werde die RP auf jeden Fall im Januar mit nach La Palma nehmen und da am Samyang 135mm f/2 nebenher laufen lassen. Falls es dort ständig klar sein sollte und ich mein Hauptobjekt erledigt habe, kommt sie vielleicht auch an das "richtige" Teleskop :-)
Viele Grüße
Stefan

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Re: Canon EOS RP Ersteindruck

Beitrag von tonwert » 29.04.2020, 22:38

Hallo Stefan,
hallo Astronomicum Gemeinde,

ich bin Neu in diesem Forum, beschäftige mich aber schon einge Zeit mit
Astrofotografie und lebe in Bad Saarow. Ich bin auf Deinen Testbericht zur
Canon RP aufmerksam geworden und hoffe, ich kann Dir einige Fragen dazu
stellen.

Ich habe mir die RP zugelegt. Eos Utility zum konvertieren in Tiff dauert
bei mir sehr lange pro Bild und die Tiffs sind mördergroß. Ich habe bisher
mit cr2 gearbeitet, was mit DSS oder Fitsworks kein Problem war, nun aber
mit der RP und cr3 nicht mehr geht.

Nun habe ich mir mal die Demo Version von Astro Art zum probieren runter
geladen und die Zip Datei mit den Plugins für die neuen Kamera Modelle und
cr3. Installiert, aber cr.3 läßt sich nicht öffen, vielleicht gibt es da
einen Trick? oder ist das der fehlende Treiber, von dem Du in Deinem
Bericht geschrieben hast?

Markus Mehl hat mir vor kurzem meine alte 450 umgebaut, aber ohne
klappbarem Display ist das nicht wirklich komfortabel. Deshalb also die RP,
die ich auch gerne wieder zu Markus zum umbauen schicken möchte.

Danke für Infos und beste Grüße

Rainer

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Re: Canon EOS RP Ersteindruck

Beitrag von Stefan_Lilge » 29.04.2020, 22:51

Hallo Rainer,

das neue Plugin sorgt dafür, dass AstroArt eine EOS RP steuern kann (über USB oder WLAN). Die Bilder werden dann aber als FITS gespeichert, nicht als CR3.
Das CR3 Format kann AstroArt erst seit dem Service Pack 3 lesen, die Demo basiert aber noch auf dem Service Pack 2. Die aktuelle Vollversion von AstroArt kann also CR3 Dateien der EOS RP lesen und verarbeiten.

Ansonsten gibt es die Möglichkeit, die CR3s mit dem kostenlosen Adobe DNG Converter in das DNG-Format umzuwandeln. Das können auch ältere Versionen von AstroArt lesen. Die Umwandlung in DNG geht recht flott und die Dateigröße ist vermutlich auch nicht so riesig (ist mir jedenfalls in der Vergangenheit nicht aufgefallen, habe aber auch nicht wirklich drauf geachtet).

Ansonsten Glückwunsch zu der Kamera, die ist wirklich gut :-)
Viele Grüße
Stefan

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Re: Canon EOS RP Ersteindruck

Beitrag von tonwert » 29.04.2020, 23:09

Hallo Stefan,

das die Demo von Astroart in SP2 ist, hatte ich gelesen, aber das mit dem Plugin für cr3 so verstanden, dass das auch mit der DemoVersion läuft. Ich bin gerade in der Evaluierung welches Programm gut für Astro läuft...PixInsight oder AstroArt. Ich habe bei dieser ganzen Umwandelei immer so ein bißchen den Eindruck, das z.b. auch Adobe DNG Converter irgendwas in die Bilddaten rein rechnet, was dann doch teilweise ziemlich vom Ursprung abweicht. Ich lade mir mal den Adobe runter, zum testen von Astroart wird es reichen. Ja, die Kamera ist super, der Akku könnte etwas größer sein.
Und ich kann bestätigen, was Du in Deinem Bericht geschrieben hast, Ha und Rotempfindlichkeit unmodifiziert ist ziemlich schwach. Bevor ich die jetzt zum Umbauen schicke, probiere ich erstmal so, was geht.

Schöne Grüße

Rainer

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Re: Canon EOS RP Ersteindruck

Beitrag von Stefan_Lilge » 29.04.2020, 23:30

Hallo Rainer,

das Plugin ist nur für die Steuerung der Canon-Kameras zuständig. Die Unterstützung des CR3-Formats ist dann mit dem Service Pack 3 für das Hauptprogramm gekommen. Weiß nicht, warum das getrennt ist...

Der Akku ist in der Tat sehr schwach, für Astro habe ich mir einen Akku-Dummy mit Netzanschluss gekauft. Da kann einem der Saft nicht ausgehen.
Bei "normalen" Fotoausflügen (etwa um Vögel zu fotografieren) sollte man immer drei Akkus dabei haben (bisher haben zwei immer gereicht, aber ein dritter zur Sicherheit kann nicht schaden ;-)
Viele Grüße
Stefan

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Re: Canon EOS RP Ersteindruck

Beitrag von tonwert » 01.05.2020, 17:29

Hallo Stefan,

ich spiele jetzt etwas mit AstroArt Demo rum, um die Möglichkeiten besser zu verstehen. Ich benutze die CR2 Raws meiner EOS450. Jetzt gibt es unter "Datei" eine Voreinstellung zum Import von Raw. Öffnest Du Deine Raws als DSLR Raw oder als Custom Raw? Als Custom Raw hat man später unter "Farbe" die Möglichkeit von RGB Demosaik. In dem Hilfe Tutorial heißt es, man soll nicht als DSLR Raw öffnen, verstehe nicht warum?

Ich bin jemand, der die ursprünglichen Informationen, die auf dem Chip angekommen sind, möglichst gut erhalten und daraus ein Summenbild erstellen möchte. Ob und und wie es dann zb in PS weiter geht, ist eine andere Frage.

Schöne Grüße

Rainer

Frank
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Re: Canon EOS RP Ersteindruck

Beitrag von Frank » 02.05.2020, 20:07

Hallo

Muss man eben schon beim Aufnehmen fits speichern, vor Dark und Flat Abzug umwandeln geht eh nicht.

Gruß Frank

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Re: Canon EOS RP Ersteindruck

Beitrag von Stefan_Lilge » 02.05.2020, 23:13

tonwert hat geschrieben:
01.05.2020, 17:29
Hallo Stefan,

ich spiele jetzt etwas mit AstroArt Demo rum, um die Möglichkeiten besser zu verstehen. Ich benutze die CR2 Raws meiner EOS450. Jetzt gibt es unter "Datei" eine Voreinstellung zum Import von Raw. Öffnest Du Deine Raws als DSLR Raw oder als Custom Raw? Als Custom Raw hat man später unter "Farbe" die Möglichkeit von RGB Demosaik. In dem Hilfe Tutorial heißt es, man soll nicht als DSLR Raw öffnen, verstehe nicht warum?

Ich bin jemand, der die ursprünglichen Informationen, die auf dem Chip angekommen sind, möglichst gut erhalten und daraus ein Summenbild erstellen möchte. Ob und und wie es dann zb in PS weiter geht, ist eine andere Frage.

Schöne Grüße

Rainer
Hallo Rainer,

ich habe bei AstroArt zu RAWs nichts eingestellt, ist also alles auf Standard. Bei CR2 Dateien sehe ich auch keinen Grund, warum man die als Custom RAW laden sollte. Es geht auch nichts verloren, wenn man das macht. Custom RAW ist aus meiner Sicht nur eine Notlösung wenn AstroArt das RAW-Format nicht richtig interpretiert.
Viele Grüße
Stefan

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