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ASI 2600MC first light (NGC 5907, 5905 und 5908)

Verfasst: 18.05.2020, 22:28
von Stefan_Lilge
Hallo,

meine im Januar bestellte ASI 2600MC hat nun tatsächlich ihren Weg zu mir gefunden und hatte am 14.05. ihr "first light".
Damit vollziehe ich bei Astro den gleichen Wechsel wie bei normalen Kameras, beim Upgrade von der Fuji X-T20 auf die X-T30 habe ich auch auf den 26 Megapixel Backside-Illuminated-Sensor gewechselt (von 24MP frontside illuminated). Bei den Fuji-Kameras ergab sich durch den Wechsel auf BSI keine bessere Bildqualität bei wenig Licht (eher etwas schlechter wegen mehr hot pixels), aber ich wollte trotzdem die neueste Sony-Technik auch in einer Astrokamera haben.

Als erstes habe ich im Kühlschrank ein paar Darks und Bias gemacht. Die Anzahl der verschiedenen Darks kann man bei dieser Kamera geringer halten als bei der ASI1600, weil es zum einen nur zwei sinnvolle Gain-Einstellungen gibt (0 und 100) und zum anderen die Kamera selbst bei einer Kühlung auf nur 0 Grad keinen meßbaren Dunkelstrom hat. Ein Dark bei Gain 0, 0 Grad und fünf Minuten Belichtungszeit hat den gleichen Hintergrund wie ein Bias. Nur die warmen Pixel sind mehr/deutlicher. Man kann sich also für die Darks auf eine Temperatur beschränken, die man das ganze Jahr über erreicht. Ich habe spaßeshalber darks für 0 und -10 Grad gemacht.

Aufgefallen ist mir bei Bias und Darks ein horizontales Banding, das von Bild zu Bild seine Position wechselt. Das ist von der Stärke her sehr gering (im einstelligen ADU-Bereich), macht sich aber z.B. auch bei 1-sekündigen Belichtungen bemerkbar, die ich zum Einstellen des Bildfeldes benutze. Bei Gain 100 ist das Banding unauffälliger als bei Gain 0.
Auf "richtig" belichtete Bilder hat das keinen Einfluss (und mittelt sich in Darks und Bias im Laufe einer Serie auch weg).
Ich muss mal mit einem anderen USB-Kabel und anderen Werten für USB-Traffic experimentieren.

Gewundert hat mich auch, dass trotz Abzug eines Master-Darks noch einige warme Pixel in den Einzelbildern zurückbleiben. Selbst wenn man von einem einzelnen Dark das aus dieser Serie gemittelte Master-Dark abzieht, bleiben noch die meisten "warmen" Pixel übrig. Die warmen Pixel scheinen also nicht konstant zu sein, sondern ihre Position auch innerhalb eine Belichtungsserie zu ändern. Dabei ist es schon fast ein Nachteil, dass es sich nicht um echte "hot pixel" handelt, sondern nur um "warme". Echte hot pixel könnte der entsprechende Filter von AstroArt beim Stacking zuverlässig wegfiltern (das funktioniert z.B. bei der ASI1600MC). Die warmen Pixel sind aber oft nur knapp über dem Hintergrund und werden daher nur dann weggefiltert, wenn ich den hot-pixel-Filter so stark einstelle, dass er auch die Zentren kleiner Sterne wegfiltert (also sozusagen ein selbstgemachter "star eater"-Effekt).
Dagegen hilft dann nur dithern und Sigma-Stacking. In meinem "first light" habe ich nach jeder dritten 5-Minuten-Aufnahme gedithert, das hat gereicht. In Zukunft werde ich aber wohl vorsichtshalber nach jeder Aufnahme dithern.

Wenn die Darks schon nicht die warmen Pixel beseitigen (bzw. nur einen Teil von denen), hat das zumindest den Vorteil, dass ich mir in Zukunft die Darks ganz sparen und nur Bias abziehen werde. Wie schon oben gesagt hat der Chip bei fünf Minuten und 0 Grad keinen messbaren Dunkelstrom. Für das Signal/Rauschverhältnis ist es egal, ob ich ein Dark, Bias oder gar nichts abziehe. Wenn z.B. ein Einzelbild im Hintergrund eine Standardabweichung von 143,7 ADU hat, wird das durch Abzug eines Master-Darks auf z.B. 143,3 gesenkt, ist also unbedeutend.

Beeindruckend ist die darstellbare Dynamik, bei einem 5-Minuten-Testbild von M51 mit 6" f/7 war der Kern von M51 bei linearer Ansicht gerade so ganz schwach zu sehen. Wer also Angst vor ausgebrannten Sternen hat (ich nicht) ist mit dieser Kamera bei Gain 0 bestens bedient. Und im Gegensatz zur ASI1600 handelt man sich bei Gain 0 auch kein nennenswertes Quantisierungsrauschen ein, weil selbst bei Gain 0 ein Elektron schon mehr als eine ADU erzeugt.

Nach der kurzen Vorrede :-) nun aber zum Bild. Da ich nur eine Nacht hatte und in der betreffenden Nacht in Berlin nur noch 90 Minuten astronomische Dunkelheit herrschten, hat es nur zu 28x5 Minuten (bei Gain 0) gereicht. Das gezeigte Bild ist wegen der starken Nachbearbeitung nicht zur Beurteilung der Chipqualität geeignet (ich habe stark mit Topaz Denoise AI entrauscht), für gut zwei Stunden unter Berliner Großstadthimmel sieht das für mich aber ziemlich gut aus.

Aufgenommen auf meiner Berliner Dachterrasse bei guter Transparenz und SQM-L 19,2 im Zenit mit einer ASI 2600MC am Esprit 150 APO auf AZ-EQ6-Montierung, 28x5 Minuten bei Gain 0. Das Bild ist bis auf die Ränder ungecroppt und in 100% Größe dargestellt.

Bild
http://ccd-astronomy.de/temp16/5907-590 ... 8x5gut.jpg

Re: ASI 2600MC first light (NGC 5907, 5905 und 5908)

Verfasst: 19.05.2020, 08:45
von Edmund
Hallo Stefan,

gratuliere zur neuen Kamera und zu dem ersten Bild.

Da wirst du noch in Berlin etwas warten müssen, bis die Nächte länger werden um ausagekräftige Bilder bzgl. der Kamera zu machen.

Re: ASI 2600MC first light (NGC 5907, 5905 und 5908)

Verfasst: 19.05.2020, 09:27
von Edmund
PS: Wäre mal interessant den unbearbeiteten Stack zu sehen, um die Nachbearbeitung mit den diversen Programmen/Tools einzuschätzen.

Re: ASI 2600MC first light (NGC 5907, 5905 und 5908)

Verfasst: 19.05.2020, 13:59
von Stefan_Lilge
Hallo Edmund,

ich habe das kalibrierte Summenbild (also Dark, Flat, Weißabgleich und leichter Hot Pixel Filter bei der Farbkonvertierung) mal hier hochgeladen (nicht wundern, das sind 150MB):
http://ccd-astronomy.de/Teilen/5907-5905-5908_28x5.tif
Ich habe ein TIF erzeugt, weil das FITS doppelt so groß war.

Re: ASI 2600MC first light (NGC 5907, 5905 und 5908)

Verfasst: 19.05.2020, 16:58
von Frank
Hallo Stefan

Von 32 auf 16bit😩oder komprimiert?
Schönes Ergebnis, aber Holger hat ja mit neuer Kamera auch den Bogen gekriegt RGB aus der Stadt zu machen.
Interresante Entwicklung

Gruß Frank

Re: ASI 2600MC first light (NGC 5907, 5905 und 5908)

Verfasst: 19.05.2020, 18:01
von Edmund
Hallo Stefan,

das Summenbild sieht nicht schlecht aus, ich hätte da mit mehr Gradienten gerechnet. Dein Himmel, von der Lichtverschmutzung mal abgesehen, hat eine gute Durchsicht bzw Transparenz. Ich nehme mal an, während des shutdowns war es noch besser.

Re: ASI 2600MC first light (NGC 5907, 5905 und 5908)

Verfasst: 19.05.2020, 20:13
von AchimL
Hallo Stefan

Wieder einmal ein sehr Versiertes und Informatives Posting von Dir.
Danke, das Du Deine Erfahrungen und Überlegungen weiter gibst.

Dein FirstLight ist Dir gelungen, denke ich.

Viele Grüße... AchimL

Re: ASI 2600MC first light (NGC 5907, 5905 und 5908)

Verfasst: 19.05.2020, 21:08
von Josef
Hallo Stefan!

Super Aufnahme und Danke für´s Tiff, sieht gut aus!
Jetzt weiß ich auch das ich an meiner Bildbearbeitung noch schwer arbeiten muss, damit ich das so hinbekomme wie Du gepostet hast! ;)

Re: ASI 2600MC first light (NGC 5907, 5905 und 5908)

Verfasst: 20.05.2020, 10:11
von lange
Hallo Stefan,

tolle Info, scheint interessant zu sein die ASI,

sieht aus als hätte die einen eingebauten Tiltring ?

Re: ASI 2600MC first light (NGC 5907, 5905 und 5908)

Verfasst: 21.05.2020, 21:19
von Stefan_Lilge
Hallo Frank, Edmund, Achim, Josef und Ralf,

vielen Dank für die weiteren Kommentare!
Edmund hat geschrieben:
19.05.2020, 18:01
... das Summenbild sieht nicht schlecht aus, ich hätte da mit mehr Gradienten gerechnet. Dein Himmel, von der Lichtverschmutzung mal abgesehen, hat eine gute Durchsicht bzw Transparenz. Ich nehme mal an, während des shutdowns war es noch besser.
Die Nacht hatte in der Tat eine gute Transparenz. Ich bin inzwischen aber auch der Meinung, dass meine Gradienten stark vom Teleskop abhängen. Himmelsgradienten müssten angesichts meines üblicherweise kleinen Gesichtsfeldes eigentlich linear durch das Bild gehen. Ich denke dass meine "üblichen" Gradienten durch Reflexionen im Teleskop entstehen. Ich werde hier ja aus allen Richtungen angestrahlt, das reflektiert dann vermutlich im Teleskop herum. Mit dem Esprit 150 habe ich deutlich weniger Probleme mit Reflexionen als mit meinen Spiegelteleskopen, vermutlich sind die Blenden im Tubus gut gesetzt.
lange hat geschrieben:
20.05.2020, 10:11
... sieht aus als hätte die einen eingebauten Tiltring ?
Ja, hat sie. Den werde ich aber nicht benutzen, sonst passt das ja nur an dem einen Teleskop, an dem ich es passend gemacht habe. Und da ich oft die Teleskope wechsele hat es keinen Sinn, die Kamera an eines anzupassen, nur damit es an dem nächsten umso schlechter wird. Zum Glück scheint der Chip halbwegs gerade im Gehäuse zu sitzen.

Re: ASI 2600MC first light (NGC 5907, 5905 und 5908)

Verfasst: 22.05.2020, 11:05
von Solidarity
Hallo Stefan,

sehr überzeugend kann ich da nur sagen. Feinste Details und das Rauschen im Rohstack ist ok. Viel Farbrauschen, dass wohl dem Hauptstadthimmel zu verdanken ist. Das wäre bei mir viel günstiger. Alternativ habe ich mir noch die QHY268C angeschaut. Die ist auch nicht ganz schlecht wie ich finde weil der gleiche Chip verbaut ist.

Re: ASI 2600MC first light (NGC 5907, 5905 und 5908)

Verfasst: 23.05.2020, 01:06
von Stefan_Lilge
Hallo Karsten,

die QHY-Variante ist sicher genauso gut, für mich hatte die ASI-Variante den Vorteil, dass ich keine neuen Treiber installieren musste ;-)