Canon RF 100-500 L "first light”

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Stefan_Lilge
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Canon RF 100-500 L "first light”

Beitrag von Stefan_Lilge »

Hallo,

kürzlich habe ich mir nach langem Zögern (wegen des zu hohen Preises) das Canon RF 100-500 Objektiv für Wildlife-Fotografie gekauft. Schöngeredet habe ich mir das durch einen möglichen Zusatznutzen als ultraportable Astro-Optik.

Letzte Nacht hat das Objektiv sein erstes Sternenlicht gesehen. Da nur Wolkenlücken zum Testen zur Verfügung standen, habe ich auf Komplikationen wie Autoguider etc. verzichtet und 30-Sekunden-Aufnahmen über die Canon Handy-App gemacht. Selbst bei 30 Sekunden waren die Sterne meistens langgezogen, obwohl die Montierung (CEM60) das bei 500mm Brennweite eigentlich locker schaffen sollte. Das lag wohl daran, dass die Stativschelle von Canon keine Arca-Swiss-Anschlussplatte hat, für die ich einen Adapter auf Vixen-Schiene habe, sondern nur ein einfaches Fotogewinde. Da haben sich dann Kamera und Objektiv durch die Befestigung mit nur einer Schraube gedreht, nach einer Weile konnte ich auch mit bloßem Auge eine Verdrehung auf der Befestigungsschiene sehen. Da muss ich mich also nach einer stabileren Befestigung umsehen.

Kamera war meine astromodifizierte Canon EOS RP Vollformatkamera. Die R6 und R7 habe ich auch angeschraubt, da war die Wolkensituation aber schon zu schlecht für aussagekräftige Ergebnisse. Die Sterne sahen aber bei denen auch nicht viel anders aus. Lustig fand ich noch, dass die R6 bei 500mm Brennweite problemlos auf die Sterne um den Orionnebel fokussieren (Autofokus) konnte. Das konnte die RP nicht, bei der R7 habe ich es nicht ausprobiert.

Die Bilder sind jeweils in AstroArt debayert, weitere „Bildbearbeitung“ jeweils eine logarithmische Streckung (damit man die schwachen Sterne und Halos etc. besser erkennen kann) und ein Gradientenfilter, um die Vignettierung zu vermindern.
Die Vignettierung beträgt zwischen Bildmitte und den äußersten Bildecken nur ca. 11 % (bei 100mm Brennweite) bis 4 % (bei 500mm Brennweite), wäre also leicht durch Flats zu beseitigen.
Zur Einschätzung der Situation erstmal ein Ausschnitt aus einem typischen Bild, das die Rotation der Kamera/des Objektivs zeigt, um die Bildfehler der folgenden Bilder besser einschätzen zu können:
http://ccd-astronomy.de/temp21/IMG_7728 ... ler%2B.jpg
Nachdem sich das ganze etwas gesetzt hatte, gab es aber auch mal Bilder, die halbwegs runde Sterne zeigten.

Hier bei 500mm Brennweite und f/7.1 (Offenblende), ISO 400, 30 Sekunden:
http://ccd-astronomy.de/temp21/C_IMG_77 ... B500mm.jpg
Da sind die Sterne auch in der Bildmitte nicht ganz rund, die Elongation ist allerdings in Richtung der im vorigen Bild sichtbaren Nachführfehler, kann also auch daher stammen. Insgesamt finde ich die Abbildung für ein Zoomobjektiv aber extrem gut. Ein Sigma 150-600 Contemporary oder Tamron 100-400 können da nicht annähernd mithalten. Die sind in der Bildmitte schon deutlich unschärfer und das Sigma wird zum Rand hin ziemlich schlecht (obwohl es bei Tageslicht knackscharfe Bilder liefert).

Ich habe dann noch andere Brennweiten ausprobiert. Bei 463mm und f/6,4 sieht es ähnlich wie bei 500mm aus, daher spare ich mir das. Interessant fand ich noch ca. 250mm Brennweite bei f/5, weil das ziemlich genau einem William Redcat entspricht. Daher also noch 254mm Brennweite bei f/5, 30 Sekunden bei ISO400:
http://ccd-astronomy.de/temp21/C_IMG_7761%2B254mm.jpg
In der Bildmitte sieht es bei 254mm Brennweite annähernd perfekt aus, zum Rand hin wird es allerdings nicht mehr so schön, könnte aber noch akzeptabel sein, wenn man Bilder eh auf Bildschirmgröße verkleinert. Und ich habe insbesondere in der Anfangszeit des Redcat auch viele Bilder damit gesehen, die komatöse Sterne hatten 😉

Zum Schluss noch das kurze Ende, 100mm. Auch wieder 30 Sekunden bei ISO 400 und nun f/4,5:
http://ccd-astronomy.de/temp21/C_IMG_7762%2B100mm.jpg
Da ist das Zentrum wieder perfekt, zum Rand hin wird es dann aber eher nicht mehr brauchbar.
Für Stimmungsbilder reicht aber auch das kurze Ende, sowas kann man mit einem Teleskop dann nicht so einfach einschieben. Hier also mit der RP in Vollautomatik (0,3 Sekunden bei f/6,4 und ISO 3200) ein Stimmungsbild: Der Mond hinter Wolken verursacht ein Farbspiel, unter dem Mond in dem roten Bogen steht Mars und rechts in dem weitgehend wolkenfreien Raum ist das auf dem Kopf stehende "V" der Hyaden.
http://ccd-astronomy.de/temp21/IMG_7739_DxOklein.jpg


Zumindest bei 500mm f/7,1 würde ich das Objektiv durchaus für astrotauglich halten, insbesondere wenn man auf einer Flugreise möglichst leicht unterwegs sein möchte und mit einer Optik sowohl für Tier- als auch Astrofotografie ausgestattet ist. Mit 1,5kg würde das Objektiv vom Gewicht her auch noch durchaus auf einen Star Adventurer o.ä. passen, auch wenn da sicher nur kurze Belichtungszeiten möglich wären.
Viele Grüße
Stefan
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Stefan_Lilge
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Re: Canon RF 100-500 L "first light”

Beitrag von Stefan_Lilge »

Hallo,

ich habe letzte Nacht noch mal etwas herumprobiert und das Objektiv am vorderen Ende mit einer abenteuerlichen Konstruktion etwas abgestützt. Der einseitige Druck scheint die Abbildung etwas verschlechtert zu haben, beim Durchgang durch den Fokus war etwas Astigmatismus zu sehen, was mir beim letzten Mal nicht aufgefallen ist. Jedenfalls hatte ich nun keine Probleme mit "weglaufenden" Sternen mehr, so dass ich wohl hinsichtlich negativer Auswirkungen des Bildstabilisators (der natürlich wieder ausgeschaltet war) entwarnen kann. Ich habe mir nun eine ordentliche Schelle mit Arca Swiss Fuß bestellt, damit bekomme ich dann hoffentlich eine stabile Befestigung ohne irgendwelche wilden Aufbauten hin.

Wo ich nun schon mal aufgebaut hatte, habe ich eine Serie auf M45 laufen lassen. Da ich zu faul war, einen Autoguider aufzubauen und das Intervalometer herauszukramen und ich auch nur grob eingenordet hatte, war ich auf 30 Sekunden-Belichtungen beschränkt. Mit der ungekühlten Canon EOS RP(a) gab es ohne Dithern und mit schlechter Einnordnung ziemlich üble Streifen (wohl Verwandte des "walking noise") und die Flats haben auch irgendwie nicht gepasst, zumindest von der Vignettierung her sah das Ergebnis so aus, also ob ich keine Flats gemacht hätte (habe aber das volle Programm mit passenden Darks, Flats und Flatdarks gemacht). Ich musste daher ziemlich heftig nachträglich den Hintergrund plätten.

Hier also das Ergebnis von meiner Berliner Dachterrasse, 200x30 Sekunden bei ISO800 mit Canon EOS RP(a) und dem RF100-500 L Objektiv bei f/7.1 auf CEM60 Montierung. Bildbearbeitung bestand aus künstlichen Flats und einem DDP-Filter zur Streckung. Das Bild ist leicht gecroppt (vielleicht auf ca. 80% der originalen Bildbreite) und auf 50% verkleinert.

Mein Fazit wäre, dass ich einen kleinen Apo dem Teleobjektiv vorziehen würde, aber wenn im Gepäck kein Platz für ein Teleskop ist, geht es auch mit dem Tele.

http://ccd-astronomy.de/temp21/M45-200x ... incrop.jpg
Viele Grüße
Stefan
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Josef
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Re: Canon RF 100-500 L "first light”

Beitrag von Josef »

Servus Stefan,

ich selbst bin mit Teles nie wirklich warm geworden, wie Du auch schreibst es gibt kleine APOs in dieser Range!
Und die Sterne gehen mit diesen Dingern auch besser!
Mit freundlichen Grüßen

Josef

www.sternwarte-au60.at
Frank
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Re: Canon RF 100-500 L "first light”

Beitrag von Frank »

Hallo Stefan

Bei 500mm wohl nicht Farbrein, blaue und rote Sterne in den Ecken nebeneinander
Bei 254mm wieder drift?
Musst du die Kamera wohl mal in Frischhaltefolie packen und mit 2Komponentenonete ein Formadapter auf AK Swiss schiene pappen?
So Wolkenlückenfotografie😂

Gruß Frank
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Stefan_Lilge
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Re: Canon RF 100-500 L "first light”

Beitrag von Stefan_Lilge »

Hallo Josef und Frank,

nur für Astro lohnt sich das Objektiv in der Tat nicht. Für ein Fotoobjektiv ist die Abbildung aber sehr gut.
Insbesondere vom Farbfehler her ist es sehr gut, Farblängsfehler ist nicht erkennbar, der Farbquerfehler ist leicht zu korrigieren indem man das Bild in die RGB-Kanäle aufteilt und die dann wieder aufeinander registriert.
Viele Grüße
Stefan
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